Der Wald als „Medizin“? Wie Bäume auf unsere Gesundheit wirken

Der Wald als „Medizin“? Wie Bäume auf unsere Gesundheit wirken

„Für mich ist ein Waldspaziergang besser als jede Medizin.“ Von passionierten Spaziergängern und eingefleischten Outdoor-Fans hört man solche Sätze öfters. Doch was ist dran? Haben Wälder tatsächlich eine „heilende“ Wirkung auf uns oder handelt es sich um einen reinen Placebo-Effekt?

Fakt ist, dass „grüne“ und „blaue“ Räume, also beispielsweise Parkanlagen, Seenlandschaften und andere natürliche Umgebungen mit Pflanzen oder Wasser einen positiven Effekt auf unsere psychische wie auf unsere physische Gesundheit haben können. Diese Wirkung wurde inzwischen in zahlreichen Studien untersucht und bestätigt.[1] Aus gutem Grund empfiehlt deshalb die WHO, grüne Flächen gezielt zu erhalten und auszubauen, etwa in Form von Parks, Spielplätzen und Grünanlagen in Wohngebieten. Denn laut WHO können diese die Morbidität und Mortalität von Menschen, die in Städten leben, verringern. Anders ausgedrückt: Die Anzahl der Krankheits- und Todesfälle lässt sich verringern. Dieser Effekt ist darauf zurückzuführen, dass grüne Umgebungen die Gesamtgesundheit fördern, indem sie Möglichkeiten zur Erholung und zum Stressabbau bieten, den sozialen Zusammenhalt unterstützen, physische Aktivität fördern und die Exposition gegenüber Luftverschmutzung, Lärm und übermäßiger Hitze verringern.[2]

Dieser Effekt dürfte inzwischen vielen Menschen bekannt sein, egal ob aus Studien oder aus persönlicher Erfahrung. Was dagegen viele vermutlich noch nicht wissen: Die heilsame Wirkung der Natur ist unter Umständen im Wald noch stärker. Denn Bäume geben sogenannte Phytonzide ab. Dabei handelt es sich um sekundäre Pflanzenstoffe, die antimikrobielle Eigenschaften haben. Sie erlauben es den Bäumen, Krankheiten abzuwehren. 

Aber wie wirken sie auf den menschlichen Organismus?  Das ist bislang noch nicht in Gänze erforscht. Erste Studien aus Japan weisen jedoch darauf hin, dass unser Körper positiv auf das Einatmen dieser flüchtigen organischen Verbindungen reagiert, was unter Umständen einen gesundheitsfördernden Effekt haben könnte. So ließ sich in einer Studie nachweisen, dass die Zahl und Aktivität der sogenannten natürlichen Killerzellen (NK) anstieg. Die NK dienen unter anderem dazu, tumor- oder virenbefallene Zellen in unserem Körper zu bekämpfen. Darüber konnten die Forscher zeigen, dass die Phytonzide die Aktivität der NK selbst dann steigerten, wenn diese davor durch das Pestizid DDVP verringert worden war.[3]

Aktuell wird noch erforscht, wie hoch die Konzentration von Phytonziden sein muss, um eine nachweisbare Wirkung zu haben und welche weiteren Faktoren zusätzlich mit einspielen. Die Chancen stehen also gut, dass wir in Zukunft über das entsprechende Wissen verfügen und den Wald noch gezielter als „Therapeuten“ einsetzen können.

Das Beste daran: Wälder verfügen nicht nur über ein therapeutisches Potenzial, sondern sind gleichzeitig auch schlichtweg Wohlfühlorte. Häufig stehen sie uns rund um die Uhr und völlig kostenlos zur Verfügung. Warum die Gelegenheit also nicht demnächst einmal wieder nutzen, wenn sich der Wunsch nach einer Atempause einstellt?  

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[1] Yen, H.-Y., Chiu, H.-L., Huang, H.-Y., 2021. Green and blue physical activity for quality of life: A systematic review and meta-analysis of randomized control trials. Landscape and Urban Planning 212, 104093. https://doi.org/10.1016/j.landurbplan.2021.104093

[2] World Health Organization. Regional Office for Europe. (‎2016)‎. Urban green spaces and health. World Health Organization. Regional Office for Europe. https://iris.who.int/handle/10665/345751

[3] Die Heilkraft des Waldes – LWF aktuell 119 [WWW Document], n.d. URL https://www.lwf.bayern.de/wissenstransfer/waldpaedagogik/208428/index.php (accessed 4.2.25).

Immerse Yourself In A Forest For Better Health - NYSDEC [WWW Document], n.d. URL https://dec.ny.gov/nature/forests-trees/immerse-yourself-for-better-health (accessed 4.2.25).

Li, Q., Kobayashi, M., Wakayama, Y., Inagaki, H., Katsumata, M., Hirata, Y., Hirata, K., Shimizu, T., Kawada, T., Park, B.J., Ohira, T., Kagawa, T., Miyazaki, Y., 2009. Effect of phytoncide from trees on human natural killer cell function. Int J Immunopathol Pharmacol 22, 951–959. https://doi.org/10.1177/039463200902200410

Li, Q., Nakadai, A., Matsushima, H., Miyazaki, Y., Krensky, A.M., Kawada, T., Morimoto, K., 2006. Phytoncides (wood essential oils) induce human natural killer cell activity. Immunopharmacol Immunotoxicol 28, 319–333. https://doi.org/10.1080/08923970600809439

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